Ispringen-barrierefrei

Sitzung am 19. Februar 2019

Mitbestimmen und Mitgestalten: Projektgruppe „Ispringen Barrierefrei“ im Austausch mit der Kreisbehindertenbeauftragten

Leider waren bei der letzten Sitzung der Projektgruppe einige unserer sonst immer Anwesenden krankheitsbedingt oder aus technischen Gründen verhindert – dafür war nach langer Zeit wieder einmal das Gründungsmitglied unserer Projektgruppe, Roland Hübner, mit dabei. Auch unsere Kreisbehindertenbeauftragte, Frau Anne Marie Rouvière-Petruzzi, nahm an der Sitzung teil.

Unsere Kreisbehindertenbeauftragte Anne-Marie Rouvière-Petruzzi

Trotz der krankheits- und wetterbedingt reduzierten Teilnehmerzahl ergaben sich interessante Diskussionen, wovon wir alle, wohl auch unsere Kreisbehindertenbeauftragte, profitierten. Nachdem sie sich kurz vorgestellt hatte, berichtete sie von weiteren Initiativen und Projekten in Enzkreisgemeinden, die sich Barrierefreiheit und Inklusion zum Ziel gesetzt haben, u.a. in Königsbach-Stein und Illingen. In anderen Gemeinden setzen sich einzelne Bürgerinnen und Bürger oder die Vereine für die Belange von Menschen mit Behinderung ein. Innerhalb der Enzkreisverwaltung und unter einigen Bürgermeistern sei daher auch der Gedanke aufgekommen, direkt in den Gemeinden Behinderten- oder Inklusionsbeauftragte zu bestellen.

Danach sprach Wolfgang Ballarin die kommunalen Verkehrsschauen an, bei denen Vertreter der Verkehrsbehörde des Enzkreises und der Gemeindeverwaltung neuralgische Punkte der Straßeninfrastruktur unserer Kommune in Augenschein nehmen und nach Lösungen suchen. Schon im Gemeinderat wurde bedauert, dass eine Beteiligung der betroffenen Bürger oder zumindest der Gemeinderäte von Enzkreisseite nicht erwünscht ist. Zurzeit ist es so, dass unsere Mitbürger und die Gemeinderäte ihre Probleme, was Verkehrslenkung etc. betrifft, vorab dem Ortsbauamt mitteilen können. Bei der Verkehrsschau werden dann die entsprechenden neuralgischen Punkte angesprochen und in Augenschein genommen. Leider fehlt für viele Mitbürger und Gemeinderäte dabei das entsprechende „Feed-back“.

Auch die Behindertenbeauftragte schlug vor, dabei einen Vertreter/Sprecher der örtlichen Initiative – idealerweise ein „Experte oder eine Expertin in eigener Sache“ – zu beteiligen, um Barrierefreiheit bei zu planenden Maßnahmen von Anfang an im Sinne eines „Designs für Alle“ zu berücksichtigen und nicht hinterher teure Nachbesserungen finanzieren zu müssen.

Stefan Kettig kam dann wieder auf die Baulücke zwischen Eisenbahnstraße und Hauptstraße 21 zu sprechen, er wollte wissen, ob sich diesbezüglich im Gemeinderat schon etwas getan hätte. Wolfgang Ballarin berichtete, dass es insbesondere noch Unklarheiten über die Gesamtkonzeption (Wohnen im Alter, Demenz-Wohngruppe, betreutes Wohnen, inklusives Wohnen, barrierefreie(!) Arztpraxis im Haus etc.) gäbe, die aber erst zusammen mit einem Bauträger oder Betreiber geklärt werden können. Dass solche Institutionen eine Zukunft haben, steht außer Frage. Ballarin betonte, dass sich die Gemeinde auf jeden Fall ein Mitbestimmungsrecht bei Bau- und Betriebsmodalitäten offenhalten wolle. Frau Rouvière-Petruzzi berichtete über den Bedarf an innovativen und generationengerechten Wohnformen, die auch die Belange junger Menschen mit Behinderung berücksichtigen.

Stefan Kettig sprach dann die Probleme an, die sich ergeben, wenn Kinder mit Handicap bei den älter, evtl. auch dement werdenden Eltern leben, bzw. wenn die „alten“ Eltern, die die ganze Zeit die Fürsorge für die Behinderten gewährleistet haben, dazu nicht mehr fähig sind. Wir in Ispringen sind froh, dass wir einen Pflegedienst haben, der „sich kümmert“. Unser Pflegedienst wird im Gegensatz zu anderen durch einen Verein getragen und muss damit nicht gewinnorientiert arbeiten. Damit kann unser Krankenpflegeverein auch in entsprechenden Fällen helfen, ohne dass dies von Kranken- oder Pflegekasse finanziert wird.

À propos Barrierefreiheit – Wolfgang Ballarin berichtete, dass es in Frankreich nun auch gesetzlich vorgeschrieben ist, dass Ladengeschäfte, Arztpraxen und natürlich sämtliche öffentliche Stellen wie Ämter etc. einen barrierefreien Zugang gewährleisten müssen. Frau Rouvière-Petruzzi, die gebürtige Französin ist, befürwortete dies ausdrücklich. Sie berichtete außerdem, dass in diesem Jahr die Gemeinden des Enzkreises aufgrund einer neuen EU-Richtlinie für den barrierefreien Zugang zu ihren Internetseiten und mobilen Anwendungen sensibilisiert werden sollen. Bei unserer Seite „Ispringen-barrierefrei“ werden wir uns auch damit beschäftigen.

Auf seinem Smartphone stellte Stefan Kettig unserer Kreisbehindertenbeauftragten unsere Website vor – sie war sehr interessiert, wenn nicht sogar begeistert. Die darin enthaltene Tabelle unter „Übersicht Ergebnisse aller Begehungen“ mit festgestellten Barrieren sowie Zuständigkeiten für Beseitigung fand großes Interesse bei Frau Rouvière-Petruzzi.

Über diese Tabelle, die auch vom Ortsbauamt eingesehen und bearbeitet wird, können außer den bestehenden informellen Kontakten Schwachstellen und dringend notwendige Maßnahmen sichtbar gemacht und nachvollzogen werden. Wir sind der Gemeinde Ispringen dankbar dafür, dass wir gemeinsam an einem Strang ziehen. Ein Beispiel: vor kurzem erhielten wir einen Anruf vom Vorzimmer des Bürgermeisters, dass auf der neuen Homepage der Gemeinde eine Verlinkung zu unserer Homepage eingerichtet sei.

Solche Dinge erleichtern unsere ehrenamtliche Projektgruppenarbeit – dafür sind wir dankbar und sagen

„Weiter so“.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, Sie sind herzlich eingeladen zum nächsten Treffen unserer Projektgruppe am 25. Februar um 20:00 Uhr im Bürgerhaus Regenbogen.

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