Ispringen-barrierefrei

Begehung „Im Schröder“ und „Ersinger-/Eisenbahnstr.“

Diesmal wollten wir Mitglieder der Projektgruppe zusammen mit Ispringer Bürgern, Betroffenen und Interessierten das Neubaugebiet „Im Schröder“ und nochmals das Gebiet zwischen Ersinger Straße und Eisenbahnstraße inklusive und westlich des Kreisverkehrs in Augenschein und unter die (Rollstuhl-)Räder nehmen. Besonders attraktiv wurde unsere Begehung bzw. Befahrung durch die Teilnahme von Bürgermeister Thomas Zeilmeier und Bauamtsleiter Achim Vogt, die beide zeitweise vom Leiter unserer Diakoniestation, Stefan Kettig, zum Rollstuhlfahren „verdonnert“ wurden.

Wir trafen uns beim Spielplatz Im Schröder, wo uns auch gleich die Mutter eines behinderten Kindes auf Probleme beim Spielplatz aufmerksam machte. Im Gespräch mit den Teilnehmern und dem Bürgermeister sowie dem Ortsbaumeister fand sich eine Lösung, die zügig umgesetzt werden wird. Außerdem wurde von Teilnehmern der Begehung angemerkt, dass ein zum Schröder führender Fußweg mittig durch einen Pfosten für Autos gesperrt ist. Dadurch sei die Durchfahrt für Rollstuhlfahrer nicht ganz unproblematisch. Auch hier waren Bürgermeister und Ortsbaumeister sich einig, diese und weitere zukünftige Sperrpfosten eher etwas exzentrisch einzubauen.

Die Teilnehmenden der Begehung

Bei der Befahrung der doch teilweise steilen Straßen Im Schröder wurde den ungeübten Rollstuhlfahrern Zeilmeier und Vogt bewusst, welche Anstrengung das Bewegen ihrer fahrbaren Untersätze im schwierigen Gelände bedeutet – hier ist E-Mobilität mit einem E-Rollstuhl eine gewaltige Erleichterung. Als positiv wurde allgemein vermerkt, dass auf den Gehsteigen nur geringe Querneigungen bei den Grundstückseinfahrten angelegt waren. Auch die Gehsteigabsenkungen an den Straßeneinmündungen waren ohne Probleme zu überwinden – außerdem bemerkte der Behindertenbeauftragte des Enzkreises, Dr. Wolfgang Ballarin, dass dennoch eine mit dem Blindenstock erfühlbare Kante vorhanden war.

In der Ersinger Straße wurde wieder von den Rollstuhlfahrern die direkt an die Regenrinne anschließende Gehsteigkante kritisiert, da dies für nicht so routinierte Rollstuhlfahrer doch ein erhebliches Hindernis darstellt. In der Eisenbahnstraße hat der Gehsteig in einigen Bereichen ein deutliches Quergefälle, sodass Rollstuhl- und Rollatorfahrer erheblich gegen die Neigung zur Straße gegensteuern müssen, um nicht im Rinnstein zu landen. Gegenüber dem Bürgermeister Zeilmeier wurde von unserer Projektgruppe darauf hingewiesen, dass solche Erschwernisse bei zukünftigen Baumaßnahmen vermieden werden sollten. Für Bürgermeister Zeilmeier war das selbstverständlich – er ließ auch erkennen, dass in Australien, wo er für die Infrastrukturplanung des Bundesstaates Queensland zuständig war, viele Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention betreffend Barrierefreiheit innovativ umgesetzt wurden.

Im Schröder wie auch in der Ersinger und der Eisenbahnstraße stellten wir fest, dass immer wieder Autos auf Gehsteigen so geparkt wurden, dass dort ein Durchfahren mit Rollstuhl, Rollator oder auch Kinderwagen nicht möglich war. Im Zuge der Durchsetzung der neuen Polizeiverordnung, so war BM Zeilmeier zu verstehen, werde von Gemeindeseite auch vermehrt auf behinderndes Parken auf Gehsteigen geachtet und dieses dann auch mit Geldbußen geahndet.

Als letzten Begehungspunkt hatten wir den Kreisverkehr, wo in der Dietlinger Straße eine mit Kopfsteinpflaster grober Art gepflasterte Verkehrsinsel die Überquerung für Fußgänger erleichtern sollte. Laut Ortsbaumeister Vogt sei der Auftrag für eine rollstuhl- bzw. rollatorfreundliche Umwandlung der Oberfläche der Verkehrsinsel schon an die Baufirma erteilt.

Positives Fazit: von Verwaltungsseite steht unseren Anliegen bezüglich Barrierefreiheit nichts entgegen – nur muss man manchmal an die Probleme der Betroffenen denken und diese frühzeitig mit ins Boot holen.

Ein kleines Andenken an unsere Begehung/Befahrung hat sich Ortsbaumeister Vogt in Form einer Blutblase durch sein kräftiges Arbeiten am Antriebsrad des Rollstuhls geholt und er und auch Bürgermeister Zeilmeier werden im Oberarm- und Schulterbereich leichte Spannungsbeschwerden und Muskelkater für einige Tage als Erinnerung behalten haben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.